Sieg über Cäsar

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Im Gallier-Sola 2025 waren die letzten vier Tage gefüllt mit viel Action.
Martin Schnetzler,
Nach den sehr nassen und schlammigen ersten Tagen unterwegs und auch im Gallierdorf war der Mittwoch eine willkommene Abwechslung. Zwar war es am Morgen nach einer sternenklaren Nacht bitter kalt, aber das Lagerfeuer und die Sonne am wolkenlosen blauen Himmel erwärmte die Schar rasch. Um auf Nummer sicher zu gehen, machte man zusätzlich Morgensport, um auch den Letzten aus dem Schlummer-Modus zu zwingen. Anstelle einer Tischplatte voller Gonfibrote und Schoggi- oder Ovo-Milch warteten die Kleingruppen-Leiter:innen auf sie. Bewaffnet mit einem Kochtopf voller Zutaten marschierten die Gruppen los, um einen ruhigen Ort zu finden für den Kleingruppenmorgen. In der herrlich wärmenden Sonne wurden Haferflöckli verspiesen, bevor dann der Input vom Vorabend nochmals ausführlich vertieft wurde. Man hatte den Rest des Morgens Zeit für tiefe Gespräche und Gesellschaftsspiele, um einander besser kennenzulernen.
Am Nachmittag dann ein Wechselbad der Gefühle: Der Barde Troubadix hatte ein grosses Konzert angekündigt. Kurz vor diesem betrat der Dorf-Druide Mischnix die Bühne und zeigte stolz seinen endlich fertig gebrauten Zaubertrank. Troubadix stimmte gleich enthusiastisch ein Freudenlied an. Automatix‘ Ohren konnten das Katzengejammer aber kaum ertragen, darum unterband er das Ganze rasch: Er ergriff einen Hinkelstein und schleuderte diesen auf den Künstler. Dumm nur, dass er gleich auch Mischnix mitsamt dem Zaubertrank auf den Boden warf. Das tagelange Suchen der Zutaten und das stundenlange Brauen des Tranks – alles umsonst! Umgehend befahl der Häuptling, dass der Nachmittag allein dazu dienen würde, die Zaubertrank-Zutaten erneut zu sammeln. Mit viel Einsatz gelang das. Eine letzte verbleibende Zutat, die Abendblume, musste in der Abend-Dämmerung gesucht werden. Damit der Fundort nicht allen Galliern verraten wird, wollte der Druide nur in Begleitung von zwei vertrauenswürdigen Kämpfern in den Wald. Leider liefen sie dabei direkt in die Arme einer römischen Patrouille. Einer der Kämpfer konnte zurück zum Lager flüchten und den anderen berichten. Das ganze Lager eilte zur Rettung des wichtigen Druiden. Nach einer kurzen Auseinandersetzung mit der Patrouille waren nicht nur die zwei Gallier, sondern auch die dringend gesuchte Abendblume endlich im Lager.
Nach einer von Römern ständig unterbrochenen Nachtruhe wurde es dem eben geretteten Druiden zu viel. Er ermutigte das ganze Dorf, sich aktiv gegen dieses Piesacken zu wehren und in die Offensive zu gehen. Alle waren einverstanden und so wurde umgehend ein Plan geschmiedet. Bereits in der folgenden Nacht sollte dieser in die Tat umgesetzt werden. Die Gallier bereiteten sich an verschiedenen Posten auf den Angriff vor. Der klug ersonnene Plan liess die erste Gruppe bereits um zwei Uhr nachts aus den Federn steigen. Im Verlaufe der Nacht wurde alle drei römischen Vorposten ausgeschaltet und Wachposten aufgestellt, sodass das ganze Dorf zur Endschlacht gegen das römische Hauptlager bereit sein würde. Als die Sonne auch die letzten Gallier wachgeküsst hatte, marschierte der letzte Trupp los. Über zwanzig Römer mitsamt Hauptmann wurden erfolgreich derart provoziert, dass sie die Sicherheit ihres Lagers verliessen. In der gefürchteten Schildkrötenformation marschierten sie in Richtung der tapferen Gallier. Nach einem verbalen Abtasten zwischen Häuptling und Zenturio passierte Unerwartetes: In der Nacht hatten sich gallische Spione in das römische Lager geschlichen und sich als Unterstützung ausgegeben. Ebendiese blieben nun im Lager zurück und hatten es bereits in Brand gesetzt. Das war der richtige Zeitpunkt: Nach einem kräftigen Schluck Zaubertrank stürmten die Gallier (erstaunlich koordiniert im Vergleich zur Asterix-Bande) auf den Schildwall zu und durchbrachen diesen innert Kürze. Eine 20-minütige erbitterte Schlacht folgte. Als sich die Nebel über der Schlacht lichteten, waren alle Römer gefesselt und wurden ins heutige Italien zurückgeschickt. Das Lager, wie auch die Verlierer, wurden geplündert. Mit etlichen Trophäen, also mit römischen Schilden und Helmen geschmückt, stolzierten die Sieger heimwärts. Zuhause erwartete sie bereits ein drehendes Wildschwein. Die Küche hatte in der Zwischenzeit siegesgewiss ein Spanferkel aufgespiesst. Die von der Schlacht müden Recken erholten sich zunächst und bereiteten sich dann auf das obligate Schlussfest vor. Frisuren wurden gerichtet, Bärte wurden aufgemal… ääh gekämmt und Tänze wurden geübt. Die nicht mehr notwendige Palisade wurde zu einem grossen Scheiterhaufen aufgetürmt. Leider war das Wetter auf Seiten der Römer und beweinte am Abend fleissig die morgendliche Niederlage. Das bereits entzündete Feuer wäre aufgrund des strömenden Regens beinahe ausgegangen, aber liess sich dann doch nicht kleinkriegen. Während das Spanferkel heruntergeschlungen wurde, boten die Lagerleiter:innen die Abendunterhaltung mit allerlei Beiträgen. Die Musiktruppe rund um den untalentierten Barden wurde aufgrund der Musikqualität zumindest temporär ins Kiosk-Zelt verbannt. Als es eindunkelte und der Regen nur noch schwach auf das Dorf einprasselte, standen alle um das grosse Lagerfeuer und erlebten eine eindrückliche Feuerspuck-Show. Als grosses Finale wurde eine Feuerwerk-Batterie gezündet, welche die Feierlichkeiten gebührend beendete. Alle schliefen wunderbar mit der Gewissheit, dass die römische Gefahr endlich gebannt war. Am nächsten Tag wurde unter Dauerregen das Lager abgebrochen und die dreckigen, aber überglücklichen Kinder marschierten kurz nach dem Mittagessen zum Bahnhof. Fast ein wenig unwirklich erschien die Rückkehr in die zivilisierte Welt. Zurück in Schaffhausen warteten bereits die Eltern voller Vorfreude. Schweren Herzens drückte man sich ein letztes Mal, bevor der Ausblick auf Familie, WC, Dusche und Bett diesen traurigen Abschied zumindest ein wenig versüsste. Es war trotz des widrigen Wetters ein grossartiges Lager, das allen lange in Erinnerung bleiben wird.

Link zum Radio Munot-Beitrag.
Videos (Reels) zu jedem Lagertag auf Instagram: Link
SoLa 2025 Gallier
29.07.2025
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Fotograf/-in
Janis Bradler, Nathanael Keller, Martin Schnetzler